Bin ich gescheitert - oder ist etwas gescheitert?

2026.10.29

Eine Holzbank neben einem geschwungenen Weg in ein

„Ich bin gescheitert.“

Dieser Satz kam mir während einer fünfminütigen Pause mit geschlossenen Augen in den Sinn. Ich arbeite mit der Pomodoro-Technik und manchmal entsteht gerade in einer Pause ein Gedanke, dem ich nachgehen möchte.

Was meinen wir eigentlich, wenn wir sagen: „Ich bin gescheitert“?

  • Ein Vorhaben hat nicht funktioniert?
  • Ein Ziel wurde nicht erreicht?
  • Oder haben wir die volle Punktzahl verfehlt – und empfinden deshalb alles als ungenügend?

Wenn nur das perfekte Ergebnis zählt

Ich verbinde den Gedanken ans Scheitern auch mit Perfektionismus. Wenn nur das perfekte Ergebnis zählt, wird aus einer Abweichung schnell eine Niederlage.

Doch nicht jedes Scheitern ist eine Frage zu hoher Ansprüche. Eine Beziehung kann enden. Ein berufliches Vorhaben kann misslingen. Etwas, in das wir viel Kraft und Hoffnung gesteckt haben, kann wegbrechen. Das kann schmerzhaft sein und lässt sich nicht einfach positiv umdeuten.

Ein Ereignis ist kein Urteil über einen Menschen

Für mich macht es einen Unterschied, ob ich sage:

„Dieses Vorhaben ist gescheitert.“

Oder:

„Ich bin gescheitert.“

Im ersten Satz beschreibe ich ein Ereignis. Im zweiten mache ich daraus ein Urteil über mich als Menschen.

Ein Vorhaben kann misslingen. Das bedeutet nicht, dass meine Fähigkeiten, meine bisherigen Leistungen oder mein Wert als Mensch dadurch aufgehoben sind. Trotzdem kann es sich im ersten Moment genau so anfühlen.

Nicht sofort einen Sinn finden müssen

Aus einem Rückschlag kann eine Lernerfahrung entstehen. Manchmal erkennen wir erst Jahre später, was wir daraus mitgenommen haben. Manchmal bleibt aber auch ein Verlust, der nicht durch eine spätere Erkenntnis aufgewogen wird.

Wir müssen nicht sofort einen Sinn darin finden.

Auch „aufstehen und weitergehen“ ist leichter gesagt als getan. Vielleicht bedeutet der nächste Schritt zunächst, innezuhalten. Mit jemandem zu sprechen. Hilfe anzunehmen. Oder eine bisherige Richtung loszulassen.

Eigenes Handeln bleibt wichtig. Aber wir müssen nicht alles allein schaffen und nicht sofort wieder funktionieren.

Wieder Möglichkeiten entdecken

Daran möchte ich mich selbst erinnern:

Etwas kann misslingen, ohne dass wir als Mensch misslungen sind.

Ich wünsche Dir, mir und uns die Geduld, nach einem Rückschlag wieder Möglichkeiten zu entdecken. Und Menschen an unserer Seite, die auch dann zu uns stehen, wenn es gerade nicht gut läuft.

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